Episode 11

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13th Jul 2022

#11 Lars Börger – Industrielle Produktion ohne fossile Rohstoffe?

„Kind, schmeiß nicht den Rohstoff weg!“ In der Natur gibt es das Konzept von „Müll“, den es zu trennen und vielleicht auch zu recyceln gäbe. Alles ist wertvoll, jeder Stoff Ausgangsstoff für den nächsten Akteur oder Verarbeitungsschritt. Bioökonomie ist die eigentlich natürliche Art, mit Materialien umzugehen und den Kreislauf der Natur abzubilden. „Wir können die gesamte Wirtschaft auf materialtechnischer Seite so umstellen, dass wir im Einklang mit der Natur arbeiten“, sagt Lars Börger, VP Renewable Polymers & Chemicals bei Neste im Gespräch mit Michael Carl.

Die gute Nachricht: Auch wenn wir nicht viel Zeit haben, die fossilen Rohstoffe aus der industriellen Produktion herauszunehmen, Lars Börger sagt: Wir können das schaffen. Allerdings müssen wir dafür die Prozesse und vor allem Anlagen der chemischen Industrie weiter nutzen. Bis 2030 in großem Umfang neue Prozesse zu entwerfen und im globalen Maßstab neue Anlagen zu bauen, wäre illusorisch. Also müssen wir an die Ausgangsstoffe heran und die bisherigen fossilen Rohstoffe möglichst 1:1 ersetzen. 

Allerdings: Kohlenstoff brauchen wir schon. Woher also nehmen, wenn nicht tief aus der Erde? Lars Börger unterscheidet drei wesentliche Quellen. Die Biosphäre liegt am nächsten. Pflanzen erledigen den Job, Kohlenstoff aus der Luft zu filtern; von dort aus können wir ihn für chemische Ausgangsstoffe nutzen. Was auch immer davon hinterher wieder in die Atmosphäre gerät, schließt nur einen Kreislauf. Neben vielen anderen arbeitet auch Neste daran, auf diese Weise Grundstoffe für die Chemie bereitzustellen. Ebenso verfügbar als Kohlenstoffquelle: Die Technosphäre. Das ist die Eliminierung des kulturellen Konstrukts von „Müll“. Letztlich gibt es keinen Müll, sondern nur wertvolle Rohstoffe. Am weitesten entfernt ist die Atmosphäre als unmittelbare Kohlenstoffquelle. Will der Mensch die Prozesse, die in der Biosphäre die Pflanzen umsetzen, selbst durchführen, braucht er vor allem eines, nämlich Energie. Die ist teuer und nicht unbedingt verfügbar. Allerdings wirkt die Energie auch deshalb teuer, weil die Kohlenstoff-basierten Produkte viel zu günstig sind. So ist alles relativ. 

Lars Börger sagt: Es liegt nicht am Können, es liegt auch nicht unbedingt am Wollen. Was uns fehlt, ist eine Art koordiniertes Wollen. Ein strukturierter Übergang von der fossilen Kohlenstoff-Welt in die post-fossile Zeit. Hierfür den Rahmen zu setzen, ist auch eine politische Aufgabe. 

Zu Gast: Dr. Lars Börger, VP Renewable Polymers & Chemicals, Neste

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About the Podcast

Zukunft Bio E
Mit der Bioeconomy auf dem Weg in eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft. Eine Initiative des Cluster Bioeconomy
Bioeconomy ist die Zukunft von Wirtschaft - jedenfalls von nachhaltiger und erfolgreicher Wirtschaft. In diesem Podcast sprechen die Akteure der Bioökonomie aus Unternehmen und Forschung über ihre Erfahrungen, über ihre Learnings und Hürden und über ihre Zukunftsvision Bioökonomie.

Bioeconomy meint eine Wirtschaft, die biobasiert arbeitet, die die Anforderung, nachhaltig zu handeln, annimmt und die auf eine echte Kreislaufwirtschaft zielt. Die Bioeconomy erfordert und ermöglicht neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Forschung, zwischen ganz unterschiedlichen Industriezweigen, zwischen Startups und Konzernen.

Warum Bioeconomy? Weil unsere globalen Ressourcen begrenzt sind. Weil die Klimakrise die natürlichen Ressourcen für Landwirtschaft wie Industrie massiv und schnell verändert. Weil auf Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft ausgerichtete Unternehmen einen Beitrag leisten können, die Grundlagen für gutes Leben zu erhalten und auszubauen - und gleichzeitig selbst wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Eine Initiative des Cluster Bioeconomy: https://www.bioeconomy.de
Entwickelt und umgesetzt von der MDKK: https://www.mdkk.de

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Michael Carl

Michael Carl ist Zukunftsforscher, Podcaster, Keynoter, Journalist, Autor und Theologe.

Die Zukunft des Menschen treibt ihn an - in Wirtschaft und Arbeit, in Gesellschaft und persönlichen Lebenswelten, genauer: Unser Bild von unserer Zukunft und wie wir beginnen, es zu gestalten.

Nach dem Studium der Evangelischen Theologie und einem Volontariat war er zunächst als Journalist für unterschiedliche Radioprogramme der ARD tätig, bevor er sich dem Schwerpunkt Entwicklung und Transformation zuwandte. Für eine ARD-Anstalt baute er ein Strategiebüro auf - ein Novum im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Er arbeitet mit Unternehmen und Organisationen und unterstützt sie bei der Stärkung ihrer Zukunftsfähigkeit. Nachdem er als Geschäftsführer eines Instituts geholfen hat, es zu Europas größtem unabhängigen Zukunftsforschungsinstitut zu entwickeln, gründete er das carl institute for human future. Hier wächst ein Raum, um die Zukunft ins Gespräch zu bringen, in Dialog und Austausch, mit Forschung und Inspiration, mit Netzwerk und Impuls.

Michael Carl hat drei Kinder und lebt als Nordlicht heute in Leipzig.